U-He Ace

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U-He Ace

Beitrag von Tim » 08 Feb 2014 - 23:43

U-He Ace

Bereits vor einigen Wochen geisterte eine erste Alpha-Version des modularen Synthesizers Bazille von U-He durch die Audioforen und -blogs dieser Welt. Auch wenn diese Version durchaus noch einige Bugs aufwies konnte der erste Vorbote des kommenden Berlin Modular-Systems, welches laut Urs aus verschiedenen mehr oder weniger modularen Synthesizern bestehen soll, mit einer beeindruckenden Klangqualität punkten. Bis zum eigentlichen Release von Berlin Modular wird es wohl noch eine Weile dauern, aber mit ACE (Any Cable Everywhere) gibt es nun einen ersten offiziellen Ableger, welcher mir jetzt zum Test vorliegt.

Übersicht

An sich bin ich kein großer Freund von modularen Software-Synthesizern. Auch, wenn es oft Templates gibt, die dafür sorgen, dass man direkt loslegen kann, bin ich meistens doch etwas davon abgeschreckt (oder ehrlich gesagt zu faul) erst einmal die grundlegenden Kabel von den Oszillatoren zum Filter zum Ausgang zu ziehen. Da kommt mir ein semi-modularer Synthesizer wie der ACE sehr entgegen.
Grundsätzlich ist alles vor-verkabelt, genau so, wie wir es von jedem anderen subtraktiven Synthesizer gewohnt sind. Dennoch gibt es genug Möglichkeiten diese Vorverkabelungen zu umgehen und so auch ungewöhnliche Modulationen und Sounds zu erzielen.
Bevor wir ACE aber im Host unserer Wahl nutzen können (möglich ist dies im VST-Format unter Windows und in den Formaten AU, VST und RTAS unter OSX) steht die Installation und Registrierung an. Beides läuft vollkommen problemlos ab. Nach dem Kauf erhält man eine Seriennummer, die man direkt im Plugin eingibt und schon kann es losgehen.

Die Bedienoberfläche setzt sich aus 3 Seiten zusammen.
Während uns beim flüchtigen Blick auf Seite 1 noch der freundliche, subtraktive Synthesizer aus der Nachbarschaft anlächelt, verstecken sich auf Seite 2 einige speziellere Funktionen, auf die ich später noch näher eingehen werde. Abgerundet wird das ganze mit der Preset-Verwaltung auf Seite 3.
Beim näheren Hinschauen, gibt es allerdings auch auf der ersten Seite einige Besonderheiten. Neben 2 Oszillatoren nebst Mixer, 2 Filtern, 2 Hüllkurven und 2 LFOs fallen vor allem die vielen sich auf der Oberfläche befindlichen „Löcher“ auf. Diese dienen der Zuweisung aller möglichen und unmöglichen Modulationen.
Ein dunkelgraues „Loch“ stellt hierbei einen Ausgang, ein hellgraues einen Eingang. Alle Eingänge sind von Haus aus fest mit einer Modulationsquelle (erkennbar an der grauen Bezeichnung neben dem Eingang) verkabelt. Durch das Verkabeln mit einer anderen Modulationsquelle kann dieses umgangen werden. Sollten einem die gebotenen Modulationsmöglichkeiten nicht ausreichen, stehen 2 Multiplikatoren zur Verfügung, mit denen man unter anderem Ringmodulationen erzeugen kann.
Kommen wir nun aber erstmal zurück zu Altbewährtem.
Zur Verfügungen stehen uns zunächst 2 Oszillatoren. Oszillator 1 bietet neben Sägezahn- und Puls-Wellenform wahlweise auch Peak- (eine Mischung zwischen Sinus und Dreieck) und Dreieck-Wellenform. Innerhalb dieser Paare kann man jeweils stufenlos überblenden.
Um den Sound anzufetten steht ein Puls-Suboszillator mit 3 verschiedenen Pulsweiten zur Verfügung.
Oszillator 2 bietet „nur“ Sägezahn- und Puls-Wellenform, welche aber ebenfalls überblendbar sind. Daneben gibt es aber auch ein Vibrato, Ringmodulationen, sowie Sync und Crossmodulation mit Oszillator 1.
Um schonmal den beiden LFOs vorzugreifen: auch diese können als Oszillatoren zur Klangerzeugung dienen, da sich ihre Frequenz bis in den hörbaren Bereich treiben lässt.
Die beiden folgenden Filter sind identisch. Sie können wahlweise parallel oder seriell betrieben werden. Zur Verfügung stehen jeweils 4 Lowpass-Filter mit unterschiedlichen Flankensteilheiten, ein Hochpass, ein Bandpass, sowie ein Bandreject-Filter zur Verfügung. Die Lowpass-Filter können zudem unabhängig von den anderen Filtern am Ausgang abgegriffen werden.
Bevor der Sound endgültig zur hören ist, kann er wahlweise noch mit einem Delay, einem Chorus und einem zweibändigen parametrischen EQ bearbeitet werden. Diese klingen gut, bedürfen aber jetzt keiner näheren Betrachtung.
Viel interessanter sind da die vielfältigen Modulationsmöglichkeiten.
Die beiden identischen Hüllkurven bieten neben den erwartbaren ADSR-Parametern auch eine Fall/Rise-Funktion mit der ein eigentlich statisches Sustain über einen definierbaren Zeitraum steigen oder fallen kann. Als 3. Hüllkurve stellt ACE einen Ramp-Generator bereit, der im Prinzip einer etwas aufgebohrten AHD-Hüllkurve entspricht.
Wie bereits oben angesprochen können die LFOs als 2 zusätzliche Oszillatoren missbraucht werden. Ihre eigentliche Funktion ist und bleibt aber die Modulation. Während LFO lediglich eine Sinus-Wellenform bietet, kann LFO 2 auch mit Sinus-, Dreieck-, Sägezahn- und Pulswellenform dienen.
Ansonsten stehen alle Parameter zur Verfügung die man von einem umfangreichen LFO erwartet. Und einiges mehr.
An dieser Stelle möchte ich kurz auf einen Punkt hinweisen, der eigentlich für den ganzen Testbericht gilt. Um wirklich alle Funktionen von ACE gebührend nutzen zu können empfiehlt sich die Lektüre des gut verständlichen Handbuchs (welches zumindest mir nur in der englischen Version vorliegt). Alle Funktionen in einem Testbericht ausführlich zu besprechen, würde einfach den Rahmen sprengen.
Nur so viel sei gesagt, ACE (Any Cable Everywhere) macht seinem Namen durchaus Ehre und ist trotzdem relativ leicht verständlich und übersichtlich.

Wem die bisher gebotenen Möglichkeiten nicht reichen, der wird möglicherweise mit der „Tweak“ genannten Seite 2 glücklich. Hier verstecken sich einige zusätzliche Highlights.
Zum einen kann man hier bis zu 8 Unisono-Stimmen stimmen, die Zeiten für den Ramp-Generator einstellen oder die ganze Stimmung von ACE mit Hilfe von Templates verändern. Zum anderen gibt es eine Circuit Bending genannte Funktion. Was diese Funktion allerdings genau bewirkt, ist dem Handbuch leider nicht zu entnehmen. Klanglich entspricht es grob gesagt, einer Mischung aus Chorus und Bitcrusher.
Das Hauptaugenmerk fällt allerdings auf das große Feld in der Mitte, den Mapping-Generator.
Dieser dient als weitere Modulationsquelle und kann je nach Modulationsziel zum Beispiel als herkömmlicher Stepsequencer oder auch als LFO-Ersatz dienen. Gesteuert bzw. getriggert wird der Mapping-Generator wahlweise durch Note-On-Befehle, das Modulationsrad, die Tonhöhe usw. wodurch sich vielfältige Anwendungsgebiete ergeben.


Klang

Aber wie klingt das alles? Da fällt mir eigentlich nur eine Antwort ein: ausgezeichnet.
Anderweitig wird auch gern der Begriff „analog“ zu Rate gezogen. Aus Ermangelung eines wirklichen analogen Synthesizers enthalte ich mich in diesem Punkt allerdings meiner Meinung. Fakt ist aber, dass ich alle Eigenschaften, die einem analogen Synthesizer im Allgemeinen zugeschrieben werden („warm“, „druckvoll“ und „durchsetzungsfähig“) auch im ACE wiederfinden konnte.
Guter Klang hat in diesem Falle allerdings einen hohen Preis, in Form der Prozessorauslastung.
Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, das alle Kabel Audiokabel sind. Es gibt keine „Event-Kabel“. Auf diese Weise ist es unter anderem Möglich auch eine Hüllkurve durch ein Filter zu schicken. Ich schlage vor, es einfach mal auszuprobieren.
Auf meinem Macbook White mit 2,13GHz schaffte ich in Logic ca. 8-9 Stimmen. Allerdings hängt die Auslastung auch stark vom verwendeten Sound ab. So ist zum Beispiel die Crossmodulation der beiden Oszillatoren sehr prozessorhungrig.
Um ACE auch auf einem betagteren Rechner nutzen zu können bietet ACE 4 unterschiedliche Qualitätsstufen an, die sich je nach Sound gar nicht bis sehr stark bemerkbar machen. Da bleibt dann auch wieder nur der Weg über das Selbststudium.

Fazit

Von Flächen, über Bässe, bis zu Leads und abgefahrenen Effektsounds bietet sich ACE für alle Lebenslagen an, in denen ein gutklingender Synthesizer gebraucht wird. Die mitgelieferten Presets geben fürs erste einen guten Überblick über die möglichen Sounds. Das volle Potential entfaltet sich allerdings erst beim Selberschrauben. Der einzige Minuspunkt ist die bereits schon angesprochene Prozessorauslastung, welche allerdings auch schon in den Systemanforderungen verankert ist und U-He somit nicht wirklich angekreidet werden kann. Für die meisten Anwender fällt ACE deshalb aber leider trotzdem als Hauptsynthesizer aus dem Rahmen. Hier muss man sich dann doch nach Ergänzungen umsehen. Wer allerdings den entsprechenden Rechner sein eigen nennt, kann bei einem Preis von 69€ nicht viel falsch machen.

Anbei noch ein nettes Video von Urs und seiner Frau Jayney, welches auf 24 Instanzen ACE beruht:
http://www.youtube.com/v/8Py9v_sTTo8&bo ... edded&fs=1
http://www.youtube.com/v/8Py9v_sTTo8&bo ... edded&fs=1
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