EMI 6|2 m Multichannel Audio

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EMI 6|2 m Multichannel Audio

Beitrag von Tim »

EMI 6|2 m Multichannel Audio

Freitag, 01 Oktober 2004
Mit Spannung habe ich die Ankunft des Emagic Multichannel Interfaces EMI 6|2 erwartet. Heute ist es eingetroffen. Das Verpackungsdesign lehnt an das anderer Produkte an, selbstverständlich im professionell schlicht gehaltenem Stil der Emagic Corporate Identity. Nun will ich aber einer angenehmeren Beschäftigung als der reinen Betrachtung der Verpackung nachgehen, nämlich dem Auspacken der Hardware. Die Hardware und das Zubehör befinden sich nun komplett auf meiner Arbeitsunterlage. Im Verpackungsinhalt befanden sich:

Das EMI 6|2 m
Eine EMI 6|2 m Tasche
Ein USB Kabel
Zwei Adapterkabel Cinch auf MIDI
Eine CD
Ein Handbuch

Das EMI fällt mir sofort durch sein flottes, dunkelblau transparentes Design auf. Ein Blickfang im alten iMac Design. Ab zur Verkabelung: Hierfür muss ich zuerst mein USB-SCSI-Adapterkabel vom ersten USB-Port lösen. Am zweiten USB-Port betreibe ich ein AMT8 MIDI-Interface, das via seriellem Kabel mit einem Unitor8 MIDI-Interface kaskadiert ist. Aufgrund der Architektur von USB v1.1 und der Tatsache, dass USB ein Shared Medium ist, will ich an dem Port, an dem die Midi-Interfaces angeschlossen sind, keine weiteren USB Geräte betreiben. Dies auch als Tipp an alle User mit USB MIDI Interface. Schließen Sie keine weiteren USB Geräte an USB-Ports mit bereits angeschlossenem MIDI- oder Audio-Equipment an! Zusätliche Geräte am gleichen Port verlangen dem USB-Bus auch Bandbreite ab und bremsen sowohl das MIDI-Timimg als auch die Gesamtperformance. Als Ausnahme kann beispielsweise der XS-Key genannt werden, da dieser keine großen Datenströme verursacht.

Nach genauerer Betrachtung des EMI 6|2 m erlebe ich jedoch eine " schöne Bescherung". Heute ist erst der 21.12.2002, Weihnachten steht also noch vor der Tür, denke ich mir und ahne nichts Böses.

Wo ist der in der Emagic Produktbeschreibung angepriesene USB Hub?

Hier ein Zitat der Emagic Webseite:

"Vielseitig und praktisch - mit sechs Eingängen, zwei Ausgängen in hochwertiger 24-Bit-Qualität, MIDI-I/O und eingebautem USB-Hub bietet das EMI 6|2 m Mobilität und Qualität in elegantem Design. Die perfekte Lösung für unterwegs und im Studio." (Zitatende)

Emagic hat den USB Hub im wahrsten Sinne des Wortes "eingebaut". Eher verbaut, aber lesen Sie selbst weiter.

Ich schaue nochmals in die Verpackung. Möglicherweise habe ich ein weiteres proprietäres Adapterkabel mit USB-Buchsen übersehen. Doch es befindet sich kein weiteres Kabel in der Verpackung und ich schlage das Handbuch zum ersten Mal auf, um Hinweise zum Gebrauch des USB Hubs zu finden. Auf Seite 18 des Handbuchs werde ich unter Punkt 3.1.2 fündig.

Hier nun ein Zitat des Handbuchs:

" Das EMI 6|2 m verfügt über einen USB Hub mit zwei USB-Buchsen zum Anschluss weiterer Geräte. Zwei USB-Buchsen des Typs A erlauben den Anschluss zusätzlicher USB-Geräte, ..." (Zitatende)

Über die Benutzung des Hubs wird auch nicht näher eingegangen, warum auch, einen USB-Stecker bekommt schließlich auch ein vierjähriges Kind in die USB-Buchse. Doch wo zum Teufel sind diese zwei USB-Buchsen des Typs A? Nun nehme ich das EMI 6|2 m genauer unter die Lupe. Sie werden nicht glauben was ich da zwischen dem Anschluss für ein optional erhältliches Netzteil und dem USB-Anschluss vorfinde. Es lächeln mich doch tatsächlich zwei USB-Buchsen des Typs A an. Ich kann den Buchsen leider nur zuzwinkern, nutzen kann ich sie jedoch nicht. Sie werden sich nun sicher fragen wieso ich die Buchsen nicht nutzen kann wenn sie doch vorhanden sind. Es ist doch ganz einfach ein USB Gerät an eine USB-Buchse des Typs A anzuschließen! Das wäre es auch, wenn die Qualitätskontrolle bei Emagic nicht geschlafen hätte. Für den USB Hub des EMI 6|2 m ist doch tatsächlich keine maschinelle Aussparung vorgesehen gewesen. Mir kommt der Verdacht auf, dass Emagic die Gehäuse des EMI 6|2 m in der Produktionsstrasse versehentlich mit denen des EMI 2|6 vertauscht haben muss. Übrigens, das EMI 2|6 besitzt im Gegensatz zum neuen EMI 6|2 m nämlich keinen USB Hub, es sieht jedoch in Form und Farbe genauso aus wie das EMI 6|2 m.

Dieser Produktionsfehler ist definitiv der Kategoriestufe "unglaublich bis lächerlich" zuzuordnen.

Doch schauen wir nun mal unter die Haube des Emagic EMI 6|2 m Multichannel Audio Interfaces. Das Gerät ist kompatibel mit USB Version 1.1 oder höher. Es besitzt eine A/D- und D/A-Wandlung mit 24 und/oder 16 Bit. Unterstützt werden die Abtastraten 44,1 kHz, 48 kHz und 96 kHz. Folgende Treiberarchitekturen werden unterstützt:

Windows: MME (WDM), DirectSound (WDM), EASI, ASIO
Mac OS 9: Sound Manager, EASI, ASIO , Anmerkung von Emagic: Der Apple Soundmanager unterstützt nur 16-bit-Audio in stereo. Unter EASI und ASIO gibt es diese Einschränkung der Bit-Auflösung und der Kanal-Anzahl nicht.
Mac OS X: Core Audio

Kommen wir nun zur Anschlussseite des EMI 6|2 m:

Das Gerät besitzt 6 analoge Eingänge mit Cinch-Buchsen und 2 analoge Ausgänge mit Cinch-Buchsen. Des weiteren hat das EMI 6|2 m eine Cinch-Buchse, die wahlweise als koaxialer S/PDIF- oder als MIDI-Ausgang genutzt werden kann. Eine weitere Cinch-Buchse ist vorhanden, um den koaxialen S/PDIF- oder den MIDI-Eingang nutzen zu können. Der MIDI Ein- und Ausgang wird über ein proprietäres Adapterkabel bereitgestellt. Einen Kopfhörerausgang mit 3,5-mm-Stereoklinkenbuchse und einen vorne horizontal eingebauten Lautstärkeregler hat Emagic dem EMI 6|2 m auch spendiert. An der linken Seite des EMI 6|2 m befindet sich neben dem USB Anschluss noch ein Anschluss für ein optional erhältliches Netzteil. Der USB Hub sei an dieser Stelle nochmals zu erwähnen, obwohl sein Nutzen bei diesem Objekt-Design gleich null ist.Zwei Schalter sind an der Vorderseite des Gerätes angebracht. Der eine Schalter ist als Eingangswahlschalter ausgelegt und bestimmt, ob die analogen oder digitalen Eingänge benutzt werden. Der andere Schalter "Clock Source" bestimmt, ob das EMI 6|2 m als Master (interne Wordclock) oder Slave (externes Wordclocksignal) im Digitalverbund betrieben wird.

Das alles wird abgerundet mit 17 LEDs, die den Betriebsstatus folgender Parameter des EMI 6|2 m anzeigen:

Stromversorgung
Auswahl der digitalen- oder analogen Eingänge
Auswahl der Abtastrate
verwendete Bitzahl
Clock Source
das Vorhadensein der angelegten Signale an den Ein- und Ausgängen des EMI 6|2 m

Das Netzteil ist leider nicht dabei, da das Gerät per USB mit Strom versorgt wird. Wird ein weiteres Gerät an den USB Hub angeschlossen (hoffentlich sendet mir Emagic umgehend ein neues EMI 6|2 m mit zugänglichem USB Hub zu), das auch per USB mit Strom versorgt werden muss, so kann ein optional erhältliches Emagic Netzteil erworben werden.

Installation:

Bevor man die CD aufmacht, sollte man vorher zu den Emagic Downloadseiten surfen, um sich neuere Treiber zu besorgen, meist sind die Hersteller CDs mit uralten Treibern bepackt. Die aktuelle Treiberversion ist die Version 1.5. File gezogen, die Daten entpackt und auf CD-RW gebrannt und ab ins Studio zu meiner digitalen Audioworkstation.

Ich gehe hier nur auf die Windows Versionen und deren Funktionalitäten ein, da ich keinen Mac zur Verfügung habe.

Systemmindestvoraussetzungen für den Betrieb des Emagic EMI 6|2 m:

Emagic EMI 6|2 m
Pentium oder kompatible CPU, 233 MHz oder höher
64 MB RAM
CD- oder DVD-Laufwerk
Ein freier USB-Port
Empfohlen: Windows XP (Service Pack 1)
Windows Millennium Edition (Windows Me) oder Windows 98 Zweite Ausgabe (Windows 98 SE), Windows 2000

Die Installation unter Windows98 SE läuft einfach von der Hand.Es muss hinzugefügt werden, dass Windows 95 und die Erstausgabe von Windows 98 nicht unterstützt werden . Unter Windows 98 Zweite Ausgabe und Windows 2000 ist der digitale Eingang nur eingeschränkt nutzbar. Die MIDI-Funktionalität des EMI 6|2 m steht nur unter Windows XP zur Verfügung. Folgende Treiber werden auch mitinstalliert:

WDM: Windows Multimedia (MME-Treiber für Wave und MIDI)
WDM: DirectSound
EASI
ASIO

Der eigentliche Grund meiner Kaufentscheidung war folgender: Emagic bewirbt das Produkt mit einer sensationellen Latenzzeit, welche mich zum Spiel von virtuellen Instrumenten in Echtzeit befähigen soll. Mal sehen was nun mein Softwaresynthesizer macht. Nach dem Neustart ab in den Sequenzer, einer Spur ein virtuelles Instrument zugeordnet und losgespielt. Yessss... Das habe ich mit meiner alten Audio-Hardware noch nie geschafft. Ich kann endlich Software-Synthesizer in Echtzeit spielen. Diese Tatsache tröstet mich jedoch trotzdem nicht über den Verlust der USB-Hub Funktionalität hinweg. Auch die Aufnahme und Wiedergabe von Audiomaterial klappt wunderbar und fehlerfrei. Einen Stresstest werde ich die nächsten Tage machen und evtl. nochmal einen weiteren Bericht über das EMI 6|2 m im Studiobetrieb schreiben.

Fazit:

Die Soundqualität ist sehr gut, obwohl ich mir symmetrische Klinken-Ein- und Ausgänge gewünscht hätte. Ein ausreichender Schutz fehlt an der Unterseite des Gerätes, da es in den meisten Fällen als Tischgerät betrieben werden wird und von der Matrialbeschaffenheit sehr anfällig auf Kratzer ist. Die mitgelieferte Tasche soll aber hier nicht vergessen werden. Sie dient jedoch eher dem Schutz beim Transport. Man/frau wird das Gerät im Studio oder auch unterwegs bestimmt nicht immer pedantisch auf die Tasche legen.Der Produktionsfehler mit dem verbauten USB-Hub ist nicht zu verzeihen. Da wurde grob fahrlässig gehandelt! Die präzise Qualitätskontrolle bei der Herstellung des EMI 6|2 m scheint einen sehr niedrigen Stellenwert gehabt zu haben, anders kann ich mir den schwerwiegenden Fehler mit der fehlenden Aussparung für den USB-Hub nicht erklären. Emagic beweist mit seinem Produktionsfehler seine Bodenhaftigkeit, denn auch bei Emagic arbeiten nur Menschen und nicht Halbgötter. Ich hoffe, dieser Fehler gibt Emagic endlich mal einen Anreiz dazu, sich von seiner elitären Haltung zu distanzieren. Wir alle sind "nur" Menschen und auch die machen manchmal Fehler! Das Preis-/Leistungsverhältnis bewerte ich mit einem ausreichend. Nun, der Markenname Emagic scheint auch den Preis für ein solches Stück Hardware in die Höhe zu treiben.

Philosophisches:

Ein Unternehmen geht nicht von einem Tag auf den anderen Konkurs. Es ist ein Prozess, der eintritt, wenn das Unternehmen nicht mehr mit vereinten Kräften seine Ziele und Ideale verfolgt, sondern Einzelinteressen (Shareholder Value und sonstige moderne Phänomene) über die der Gesamtheit (wir Konsumenten) siegen. Quo vadis, EMAGIC? Die Zukunft wird es zeigen und wir Konsumenten müssen stärker zusammenhalten.

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