Melodyne 1.1

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Melodyne 1.1

Beitrag von Tim »

Melodyne 1.1

Freitag, 01 Oktober 2004
Zur Verfügung stand mir Version 1.1 für den PC. Die Installation gemäß Anleitung verlief problemlos. Ich kannte Melodyne bereits von der Frankfurter Musikmesse 2001 und war damals überrrascht, wenn nicht sogar geschockt. Obwohl mir als Roland VA-7 User die ?Elastizität" von Audio mittels der dort implementierten Vari-Phrase Funktion nicht unbekannt war, wurde auf der Messe schnell klar, dass Melodyne eine Manipulation von monophonem Audiomaterial nie dargewesener Einfachheit, Tiefe und Qualität ermöglichte.

Was macht Meloyne?

Melodyne ist in der Lage die Tonhöhen und den Einsatzpunkt von Noten in einem WAV-File (SND und AIFF -Format werden ebenfalls unterstützt) zu erkennen und darzustellen. Nach der sogenannten Erkennung eines Files ist es möglich, dies in einem Art spezialisiertem Matrix- bzw. Key-Editor (für Cubase-User) zu sehen und zu bearbeiten. Dies geht dabei genauso einfach wie in den entsprechenden Midi-Editoren. Es lassen sich alle relevanten Parameter nun mittels Maus zurechtrücken. Die wichtigsten sind hierbei Tonhöhe, Startzeit (horizontale Achse) und Volume der jeweiligen Silben. Beim Verschieben der Töne auf der Zeitachse werden übrigens die angrenzenden Silben entsprechend mit verlängert oder gestaucht. Dies ist oft, aber nicht immer musikalisch sinnvoll. Leider habe ich noch nicht herausgefunden wie man dies abstellen kann. Töne lassen sich kopieren bzw. ausschneiden und an beliebigen Stellen einfügen, vorrausgesetzt an diesen Stellen befindet sich noch keine Note. Zusätzlich kann man bei den Noten die Notenübergänge und die Formanten manuell setzen. Noten lassen sich muten oder auch ganz löschen. Es besteht die Möglichkeit mit wenigen Mausklicks eine gesamte Gesangslinie zu markieren und einfach horizontal und vertikal ?einrasten zu lassen"! Dies entspricht also einer rhytmischen bzw. tonalen Quantisierung.

Wie klingt Melodyne?

Bei Tonverschiebungen ab einer Terz (300 Cent) treten leichte Verfremdungen auf. Aber selbst dann ist das Ergebnis noch brauchbar. Im Mix würden diese z. B. als zweite Stimme eingesetzt untergehen. Meine Stimme z. B. klang immer noch nach Alex. Korrekturen von kleiner 50 Cent (= ein Viertelton) wie sie im Studioalltag häufig notwendig sind werden hingegen unhörbar bewältigt.

Wozu lässt sich Melodyne einsetzen?

Als Produzent und Sänger benutze ich Melodyne im Studio bei kleineren Unstimmigkeiten, nicht tightem Gesang und um die Lautstärke von Silben anzugleichen. Kleinere Variationen in der Melodieführung lassen sich ebenfalls schnell ausprobieren. Mit wenigen Clicks hat man eine Stimme gedoppelt. Die zweite Stimme verschiebt man einfach etwas in der Tonhöhe (ca. 10 Cent) und anschließend auf der Zeitachse. Dies klingt immer noch besser als das Doubling von einem Sänger der mit der ?Reproduzierbarkeit" Probleme hat aber nicht so echt wie eine gute zweite Aufnahme. Dies ist aber vielleicht auch nur eine Frage des Aufwands der Bearbeitung. Weitere Verwendungen sind das Verstärken oder Abschwächen von Vibrato in den Tönen oder auch das Abspielen mit verändertem Tempo. Dadurch lassen sich auch unsingbare Phrasen schaffen. Ebenso ist es möglich Melodien zu übertragen. Diese Übertragung funktioniert auch bei normaler Weise nicht melodischen Instrumenten wie Drums.

Versionen:

Melodyne gibt es in zwei Versionen, Studio Edition sowie cre8.

Studio Edition:
Lizenz für 3 Computer
unbegrenzte Spuren (nur vom System abhängig)
Sample Rate bis 192 kHz, 24 bit & 32 bit
Abspielen und Editieren von Stereo Files
Undo/Redo mit bis zu 500 Schritten

cre8:
Single Computer Lizenz
bergenzt auf 8 Spuren
Samplerate bis 48 kHz, 16 bit
Abspielen von Setreo Files
Undo/Redo nur ein Schritt

Preis:
Melodyne Studio - ca. 880 Euro
Melodyne cre8 - ca. 390 Euro

Systemvorraussetzungen:
Melodyne läuft unter Mac OS 9, Mac OS X, Windows 98, Millenium Edition, Windows 2000 sowie Windows XP und unterstützt DirectX, SoundManager, CoreAudio and ASIO 2.
Unterstützt werden die Formate: WAV, AIFF, SD2, SND, AU
PowerMac, 128 MB RAM
PII400, 128 MB RAM

Fazit:
Nachdem man einmal mit Melodyne gearbeitet hat und bei seinen eigenen Aufnahmen dank Melodyne gesehen hat wie sich ganze Silben irgendwo im Niemandsland zwischen A und Ab tummeln ist die Versuchung groß alle Aufnahmen nachzukorrigieren. Warum auch nicht, sind die Manipulationen doch einfach, unhörbar und das Gesamtergebnis fast immer eine Verbesserung. Für Studios mit häufigen Gesangsaufnahmen ist Melodyne ein Muß. Aufgrund der vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten, welche ich in diesem kleinen Rahmen nicht alle beschreiben konnte, ist Melodyne aber auch für experimentierfreudige Producer ein überaus nützliches Tool mit hohem Spaßfaktor. Zu erwähnen sei noch, daß Melodyne keinesfalls selbsterklärend ist, sondern eine Komplexität aufweist, die der mancher Software-Sequenzer durchaus ebenbürtig ist. Dank eines excellenten Handbuchs sowie liebevoll entworfener Beispiele bzw. sogar einer Experience-Tour dürfte aber nach einer kurzen Gewöhnungsphase der kreativen Arbeit mit Audio-Material nichts mehr im Wege stehen.
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