Kanye West uriniert auf seinen Grammy

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Häschen
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Häschen »

West hat sich Land in Wyoming gekauft, ist jetzt auf Blues Brothers Mission und im Dienste des Herren unterwegs. Do you see the light?

Amen!
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spocintosh
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von spocintosh »

Geheimagent hat geschrieben: 22 Sep 2020 - 15:20... um in ein Haus einzuziehen, was das Gegenteil der Villa Kunterbund ist.
Das velwechserst du mit Jens Spahn.
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Geheimagent »

spocintosh hat geschrieben: 22 Sep 2020 - 23:11
Geheimagent hat geschrieben: 22 Sep 2020 - 15:20... um in ein Haus einzuziehen, was das Gegenteil der Villa Kunterbund ist.
Das velwechserst du mit Jens Spahn.
Also laut Wikipedia hat der Wessi das am 4. Juli 2020 angekündigt. Herr Spahn hat keinerlei Berechtigung in das Haus einzuzehen.
Lichtenberg
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Lichtenberg »

Häschen hat geschrieben: 22 Sep 2020 - 9:42Was ist daran so schwer zu verstehen?
Dass das anglo-amerikanische Urheberrecht deutliche Unterschiede zum deutschen Urheberrecht aufweist, muss man hier wohl niemandem erklären. Warum dennoch beide Rechtsordnungen gleichgesetzt werden, verstehe ich nicht.

Wie man der (mutmaßlichen) Vertragsproblematik und gar vermeintlichen "Ausbeutung" amerikanischer Künstler mit ihren Labels unter Hinweis auf den § 138 BGB (Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher) beikommen will, erschließt sich mir auch nicht. Gibt es zumindest vergleichbare Fälle mit deutschen Künstlern in Deutschland mit deutschen Labels? Wenn ja, fände ich Beispiele spannend.

Zur Sittenwidrigkeit von Rechtsgeschäften (hier: Verträgen): Die gängige Definition lautet, dass ein Rechtsgeschäft nichtig ist, wenn es gegen das "Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden verstößt". Ein irgendwie geartetes Ungleichgewicht zwischen dem einen und dem anderen Vertragspartner ist dafür nicht ausreichend. Warum auch? Wie bereits mehrmals betont wurde, muss weder in Deutschland noch in den USA ein Künstler irgendeinen für ihn nachteiligen Vertrag unterschreiben. Tut er es dennoch, dann muss er doch nicht durch den Gesetzgeber "zwangsbeglückt" oder besser: bevormundet werden, indem nun der Vertrag als üngültig angesehen wird. Und wie soll das dann eigentlich aussehen? Der Vertrag ist üngültig, gleichwohl aber haben Künstler und Label bereits Arbeiten erbracht und wie genau will man das jetzt gegeneinander bewerten? Und wer soll das tun? Ein Gericht? Und wo soll das Gericht die Grenze ziehen zwischen "noch in Orndung" und "geht gar nicht" ziehen?

Um es vielleicht deutlicher zu formulieren: Der § 138 BGB (ob nun Absatz 1 oder Absatz 2) soll nur besonders krasse Fälle erfassen und nicht die, die womöglich für eine Vertragspartei irgendwie nachteilig sind. Derartige Ungleichgewichte haben wir immer. Und sie sind vor allem aufgrund der herrschenden Privatautonomie gestattet. Denn in einer Demokratie wird von dem mündigen Bürger ausgegangen. Ein sinnvoller Gedanke, wie ich finde.

Man kann hier auch keine Vergleiche zum Mietrecht ziehen. Das Mietrecht soll alle(!) Vermieter und Mieter erfassen. Es erfasst damit praktisch die gesamte deutsche Bevölkerung. Wollte man etwas ähnliches für Künstler schaffen, dann müsste man zunächst erklären, warum nicht auch andere freie Berufe und Selbständige einen derartigen Schutz verdienen und ein eigenes Gesetz bekommen sollen.

Im Übrigen gibt das deutsche(!) Urheberrechtsgesetz dem Künstler (sprich: Urheber eines urheberrechtlich geschützten Werkes) genügend Möglichkeiten an die Hand, sich (nachträglich) gegen sehr schlechte Vertragsbedingungen zu wehren.

Und dennoch: Warum fordert man so eindringlich, dass erwachsene Menschen vor sich selbst geschützt werden sollen? Was soll so eine Zwangsbeglückung? Es gibt etliche amerikanische Künstler, die nicht zwingend reich, sondern vor allem berühmt werden wollen. Man soll sie doch gewähren lassen.
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Geheimagent »

Das klingt insgesamt schlüssig und sehr gut geschrieben, muss ich mal anerkennend sagen.

Vielleicht ist die Sache mit dem Plattenvertrag auch einfach nur Promotion, man ist in den Medien, und es hat ja schon bei anderen genutzt, obwohl man "ausgenutzt" wurde.
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Häschen
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Häschen »

Unterschiede im Urheberrecht sind nicht wirklich das Thema. Es geht eher Verkaufsbeteiligung an Tonträgern.
Wie etwas in anderen Staaten geregelt ist, kann Vorbild sein oder auch nicht. Das darf man selber entscheiden.

Deutschland ist vor allen Dingen zuerst eine Republik und dann eine Demokratie. Das nur als Hinweis, den Unterschied werde ich hier nicht erklären.
Die Mündigkeit von Bürgern wird nicht zwangsläufig durch gesetzliche Regelungen in Frage gestellt. Es gilt auch weiter, wo kein Kläger, da kein Richter.

Der Erfolg einer Klage kann von öffentlicher Sensibilisierung abhängen. Mietverträge sind hier ein gutes Beispiel.
Ein Unrechtsgefühl hat dazu geführt eine Form von Sittenwidrigkeit bei Mietverträgen festzustellen, zu formulieren und gesetzlich zu regeln.
Da es viele Mieter in Deutschland gibt und Vermieter ihre Machtposition durch Wohnraumknappheit ausnutzen, sah man hier Handlungsbedarf.
Zum Schutz der Arbeitnehmer wurde beispielsweise auch ein gesetzlich Mindestlohn aus ähnlichen Gründen eingeführt. Ab 1. Januar 2021 gilt € 9,50.

Künstler sind, wie schon geschrieben, meist in keinem Angestelltenverhältnis und arbeiten frei.
Wenn sie Glück haben, ziehen sie genügend Aufmerksamkeit auf sich und kommen, mit einem Verlag, einer Plattenfirma oder sonstigen Partnern ins Geschäft,
die mit ihrer Kunst Geld verdienen wollen. Das geschäftliche Verhältnis wird vertraglich geregelt. Der Künstler ist dann Geschäftspartner und kein Arbeitnehmer.
Dieses Geschäft macht Sinn, denn dann können sich Künstler voll auf die Schaffung des Produkts konzentrieren und haben einen Partner, der ihr Produkt vermarktet, vertreibt und sich somit um die Einnahmen kümmert. Im Kern übertragen Künstler die Rechte an ihrer Arbeit, wodurch der Partner mitverdienen kann.

Prinzipiell ergibt sich durch dieses Geschäft ein ähnliches Machtgefüge, wie zwischen Mieter und Vermieter oder Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Vermieter bestimmen den Preis für Wohnraum, Arbeitgeber Entlohnung für geleistete Arbeit und Verlage/ Plattenfirmen, welche Rechte der Künstler für wie lange einzuräumen hat. Vermieter, Arbeitnehmer und Künstler können zwar ablehnen, stehen dann aber ohne Wohnung oder Einkommen da.

Damit es zu einer faireren Verteilung kommt, setzt der Gesetzgeber fest, welche Mietverträge und Arbeitsverhältnisse zulässig sind.
Das sollte auch bei "Künstlerverträgen" gemacht werden.

Kunst ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Jeder Bürger lässt sich in irgendeiner Form durch Kunst unterhalten oder inspirieren.
Man kann von einem gesellschaftlichen Bedürfnis sprechen Kunst zu konsumieren. Dabei legen die Bürger unteranderem Wert darauf etwas anderes,
etwas Neues, etwas noch nie Dagewesenes zu erleben. Kunst muss sich unteranderem ständig neu erfinden und gewinnt durch ihre Einzigartigkeit an gesellschaftlichem Wert. Um dies zu gewährleisten ist die Unabhängigkeit von Künstlern wichtig und ein Schritt in diese Richtung ist die Bedingungen der Künstler gegenüber der Industrie zu verbessern, in dem man gesetzlich regelt, welche "Künstlerverträge" sittenwidrig sind, auch wenn es um Verkaufbeteiligungen geht.

Im Vergleich dazu ist das Urheberrecht sehr eng gestrickt.
(..) Auch die GEMA darf Musikverlage nicht pauschal an Tantiemen beteiligen, entschied das Kammergericht Berlin. Das Urteil stärkt unabhängige Künstler, doch wenn Gerichte Verwertungsgesellschaften auf geltendes Recht hinweisen müssen, zeigt sich die ganze Schieflage zwischen Kreativen und Verwertern (..)
https://irights.info/artikel/gema-tanti ... rlin/28178
Vielleicht sogar zu eng? Denn mit Schreiben dieses Textes in einem Musikerforum habe ich Urheberrechte an diesem Beitrag. Sollte es zum Zerwürfnis mit dem Forenbetreiber kommen, könnte ich verlangen, dass alle meine Beiträge in diesem Forum gelöscht werden. Lustigerweise hatten wird das hier schonmal.
Es wurde sogar mit rechtlichen Schritten gedroht. Denn, oha ..
(..) Urheberrecht nicht übertragbar

Auch wenn ein Mitglied in einem Forum schreibt, also in einer von einem anderen zur Verfügung gestellten Umgebung, behält das Mitglied das Urheberrecht an den eigenen Beiträgen. Eine Übertragung des Urheberrechts an den Forenbetreiber kann nicht stattfinden, auch wenn der Forenbetreiber das vielleicht in den Nutzungsbedingungen vorschreiben möchte. Das Urheberrecht ist laut Gesetz nicht übertragbar.

Das Mitglied gewährt durch sein Schreiben in einem Forum dem Forenbetreiber lediglich ein einfaches Nutzungsrecht. Nur durch dieses Nutzungsrecht ist der Forenbetreiber berechtigt, den Beitrag des Nutzers anzuzeigen. (..)

http://forum.urheberrechtsgesetz.com/in ... topic=23.0
Ich persönlich halte das für übertrieben, aber das deutsche Recht will Urheber schützen.
Wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlt, und bei manchem kleinen Napoleon ist das ziemlich schneller der Fall, kann 'ne Freizeitbeschäftigung zu Terror werden.
Das nur als Beispiel. Es wird halt schnell albern.

Bei der Verkaufsbeteiligung an Produkten, die Künstler geschaffen haben, wo der Industriestandard zum Nachteil der Künstler führt, sehe ich das anders.

Vielleicht muss man sich auch erstmal bewusst machen, was so alles schief läuft. Ich hab ja meine Erfahrung hier geteilt.
Vielleicht sollte ich dazu erwähnen, das sich ein Label zwar "sittenwidrig" als Urheber einnisten wollte, dafür aber im Gegenzug 50% Verkaufsbeteiligung anbot.
Alles 50/50 sozusagen, natürlich ohne Anrechnung meiner Arbeitszeit fürs Schaffen des Produkts. Denn jeder weiß, Künstler arbeiten nicht wirklich :lol:

Erzählt mal was ihr so für tolle Erlebnisse hattet. Geschichte von Bekannten sind auch erwünscht. Jammern, äh .. ich meine Klappern gehört zum Handwerk.
Wer das nicht kann, ist vielleicht genau so dumm, wie Leute die Verträge unterschreiben bei denen sie ihre Seele verkaufen.
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Geheimagent »

Wie ich schon sagte, Du ziehst da Gesetze ran, bei denen Du in einer Klage nicht durchkommen wirst, da Deine Sicht auf Subjektivität beruht. Du bringst einige Argumente, die wirklich schön wären, wenn es so umgesetzt würde, weil ich Künstler bin, und kein Plattenbonze.
Nochmal niemand zwingt jemanden einen Vertrag zu unterschreiben, dass hätte KW auch nicht gebraucht, aber vielleicht müsste man dann in einer Stadt seine Darbietung in der Fussgängerzone ertragen. Ein Radio kann man wenigsten ausstellen, wenn KW läuft.
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Häschen
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Häschen »

Es zwingt doch auch niemand jemanden einen Mietvertrag zu unterschreiben oder ein Arbeitsverhältnis einzugehen.
Trotzdem gibt es gesetzlich geregelte Grenzen, was ein Vermieter oder Arbeitgeber darf zum Schutze von Mietern und Arbeitnehmern.

Wieso sollte das nicht auch für Künstler möglich sein, wenn sie einem Vertrag eingehen?
Ohne Anwalt sind für die meisten die Vertragsbedingungen kaum zu verstehen. Die sehen erstmal nur den Vorschuss sind glücklich, dass sie überhaupt ‘n Deal haben.

Wie sind denn deine Erfahrungen mit Verlagen und Plattenfirmen? Hat man dich verhandeln lassen? :lol:
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Lucky »

Moin Häschen,

Einen Plattenvertrag kann man nicht unbedingt mit einem Mietvertrag gleichsetzen..
Bei einem Mietvertrag sind die bedingungen 100% klar, Mietgegenstand kann besichtigt werden, Mietpreis wird mitgeteilt.

Ein Plattenvertrag beruht auf einer simplen Annahme, nämlich der Einschätzung wieviele CDs sich von dem Künstler verkaufen lassen.

Drehen wir doch mal den Spieß um: Wieviel Prozent am Umsatz verlangst Du wenn Du eine CD für eine No-Name Band produzieren willst und das deine einzige Einnahmequelle ist?

Viele Grüße,
Lucky
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Häschen
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Häschen »

Moin Lucky,

in einem Plattenvertrag steht auch, was wer zu leisten hat und wer was bezahlt, prozentual festgesetzt.
Die Bedingungen sind auch hier eindeutig, wenn man Ahnung von der Materie hat. Das haben die meisten aber nicht, insbesondere junge Einsteiger.

Beispiel: Mädchen aus der Plattenbausiedlung hat 'ne tolle Stimme, tolle Texte und Melodien.
Wird von Plattenbonz entdeckt, der schmeißt in 'ner Disse 'ne Runde Champagner, winkt mit'm Vorschuss, nimmt sie unter 360 Vertrag und in seinen Verlag auf.
Die Plattenbau Eule hat 'ne tolle Saison, landet 'n Hit. Nach dem Rausch ist sie ausgelaugt und landet in einem kreativen Tief, hat kaum noch Reserven und stellt mit Blick auf die Rechnungen fest, was sie da unterschrieben hat. Plattenbonz hat eingesackt und wendet sich 'ner anderen Eule zu.

Muss das so laufen? Oder kann der Gesetzgeber regeln, wieviel und wie lange Plattenbonz tatsächlich einsacken darf zum Schutze von Künstlern?

Deine Frage, die den Spieß umdreht finde ich sehr konstruktiv.
Jedes Geschäft birgt ein Risiko. Insbesondere wenn man ein neues Produkt auf dem Markt anbietet. Das ist in jeder Branche mehr oder weniger ähnlich.
Die Arbeit eines Musikproduzenten variiert genauso wie der Rahmen in dem er arbeitet. Manchen Produzenten gehört die Plattenfirma,
andere werden von einer Plattenfirma beauftragt Künstler oder Bands zu produzieren, andere suchen sich das Talent selbst, produzieren und bieten es einer Plattenfirma an.

Was so Usus ist, wird in folgendem Artikel aufgelistet. Worauf ich mich beziehe, sind die Anteile die Plattenfirmen für sich behalten bzw. an Künstler, zu denen auch der Produzent gehören kann, weitergeben.
(..)
Plattenfirma bei Künstlervertrag
Wenn das Label u.a. auch die Produktionskosten übernimmt, bekommst Du zwischen 7 und 14% des Händlerabgabepreises
(“HAP”, das ist der Nettopreis, zu dem Händler ein Album einkaufen).

Plattenfirma bei Lizenzvertrag
Wenn Du bereits die fertige Produktion mitbringst, sind Anteile von 15 bis 25% am HAP für die Musiker üblich.
(..)
http://www.musicbizmadness.de/wer-bekom ... -prozente/
Ich finde, nachdem alle Produktionskosten zweifach eingespielt wurden, sollte sich die Verteilung zu Gunsten der Künstler ändern.
Ein Verlag nimmt üblicherweise auch nur max. 50% der Tantiemen mit. So könnte man es beispielsweise aufsetzen.
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Geheimagent »

Häschen hat geschrieben: 25 Sep 2020 - 20:37 Es zwingt doch auch niemand jemanden einen Mietvertrag zu unterschreiben oder ein Arbeitsverhältnis einzugehen.
Trotzdem gibt es gesetzlich geregelte Grenzen, was ein Vermieter oder Arbeitgeber darf zum Schutze von Mietern und Arbeitnehmern.

Wieso sollte das nicht auch für Künstler möglich sein, wenn sie einem Vertrag eingehen?
Ohne Anwalt sind für die meisten die Vertragsbedingungen kaum zu verstehen. Die sehen erstmal nur den Vorschuss sind glücklich, dass sie überhaupt ‘n Deal haben.

Wie sind denn deine Erfahrungen mit Verlagen und Plattenfirmen? Hat man dich verhandeln lassen? :lol:
Je nach dem wie realistisch Deine Forderungen sind, und interessant Du für die Plattenfirma bist, kannst Du da auch handeln. Ich übernehme z.B. immer die Produktionskosten, und somit sieht auch der Deal anders aus. Du musst aber auch bereit sein, Plattenverträge, Bandübernahmeverträge od. Verlagsverträge abzulehnen, die Dir nicht zusagen, da Du einen besseren Deal ja durch Deine zu frühe Unterzeichnung selber ausschließt

Die Gleichsetzung mit einem Mietvertrag ist total abwegig. Dort geht es um ganz klar erkennbare Dinge Du mietest eine Wohnung mit ganz klar nachvollziehbaren Maßen, Gegnständenden etc. also kein Risiko. Bei einem Plattenvertrag ist nicht erkennbar ob Du einen No. 1 landest, oder ob Du überhaupt die Kosten einspielst, hier trägt das volle Risiko die Plattenfirma.
Auch mit einem Arbeitsvertrag ist das nicht vergleichbar, weil Du dort eine bestimmte Arbeit erledigst, die einen bestimmten Wert hat. Der Wert eines Künstlers bestimmt sich ja erst durch den Verkauf.
Und überleg mal wie viel Künstler eine Plattenfirma unter Vertrag haben muss, um einen zu haben, der richtig Kohle bringt. Diese finanzieren nämlich auch mit den Einnahmen die Kosten der anderen Künstler.

Es sollte auch berücksichtigt werden, dass durch die Musikindustrie Arbeitsplötze geschaffen werden oder erhalten werden müssen. Diese werden auch aus den Einnahmen finanziert. Es wäre also ziemlich egoistisch, wenn ein Millionenschwerer Künstler noch größere Forderungen stellt, damit diese Arbeitnehmer für einen Hungerlohn arbeiten müssen. Irgendwann macht Reichtum für den Egoismus keinen Sinn mehr, dann macht nur noch die Unterstützung der Allgemeinheit Sinn Arbeitsplötze erschaffen oder wie Bill Gates soziale Förderungen zu schaffen.

Es gibt immer noch die Möglichkeit sich selber zu vermarkten, dann muss man die davon angehäuften Millionen mit niemanden teilen.

Deine Sichtweise mag ja wünschenswert sein, doch ist sie wenig realistisch. Und vor allen solltest Du auch in Betracht ziehen, dass auf Grund von Spotify & Co es für viele kein Grund mehr gibt Geld für Musik auszugeben. Der Künstler wird also nicht von den Plattenfirmen versklavt, sondern von seinen Fans.
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Häschen »

Du beantwortest die Frage nicht. Wie sind denn nun deine Erfahrungen mit Verlagen und Plattenfirmen? Hat man dich verhandeln lassen?

Ist schon klar, dass man 'ne bessere Verhandlungsposition hat, wenn man etabliert ist. Bei wie vielen Newcomern ist das der Fall?
Das Argument, Plattenfirmen müssen so viele Flops finanzieren, bestätigt wie Plattenfirmen ihr Risiko auf Künstler abwälzen.
Es ist Quatsch zu behaupten die Plattenfirma würde das volle Risiko tragen. Wenn Künstler nicht erfolgreich verkaufen, trifft es die Künstler meisten.
Die gehen volles Risiko. Nicht vergessen es ist immer noch der Künstler, der das Produkt ist und liefert.

Und bitte nicht den Faden verlieren. Beim Vergleich zum Mietvertrag geht es um geregelten Schutz eines Vertragspartners vor Ausbeutung.
Der Vertragsgegenstand ist ein anderer, aber die Verhandlungsposition ist ähnlich.

Wie auch immer, Kanye West treibt das Thema und geht mit gutem Beispiel voran. Den Künstlern die bei seinem Label unter Vertrag stehen, verspricht er ..
(..)
“I’m giving all Good music artist [sic] back the 50% share I have of their masters.”

(..)
To Kanye, though, this is bigger than his own deal -- it’s about all artists, all contracts, and the whole way the entire business works. “The balance of power is too off, the gap between major label profit and artist profit too wide,” he says, “and I will work to re-think the design of the entire way we move in this space.”

(..)
The music industry is very different from a decade ago, or five decades ago. Are your proposals about the new opportunities for artists, or could they have applied through history?

You have to adapt. You can’t have old rules for new games. No other business in the world would suggest you don’t adapt to a completely new supply chain and income sources. And yet we are tied to a contract formula for vinyl. We can be nostalgic and respectful of those times but we must look at how we create in this new world, and how we make money in this world. How do you think a young artist stays creative when he or she can’t eat? Or he or she feels completely frustrated or confused about the business? How does this help the Artist? Do they care? No, they have other Artists. Artists have ONE career. Majors have millions. No disrespect -- MULTIMILLIONS. The thought has to flip to the individual.
(..)

https://www.billboard.com/articles/busi ... c-industry
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Geheimagent »

Häschen hat geschrieben: 26 Sep 2020 - 12:42 Du beantwortest die Frage nicht. Wie sind denn nun deine Erfahrungen mit Verlagen und Plattenfirmen? Hat man dich verhandeln lassen?
Das habe ich doch oben klar beantewortet.
Häschen hat geschrieben: 26 Sep 2020 - 12:42 Und bitte nicht den Faden verlieren. Beim Vergleich zum Mietvertrag geht es um geregelten Schutz eines Vertragspartners vor Ausbeutung.
Der Vertragsgegenstand ist ein anderer, aber die Verhandlungsposition ist ähnlich.
Lese Dir doch noch mal den Beitrag von Lichtenberg durch, da ist ganz sachlich erklärt warum Du das nicht vergleichen kannst.

Warum eröffnest Du nicht eine eigene Plattenfirma, und gehst mit gutem Beispiel vorran? Und wehe ich höre, dass Rabbit Records seine Künstler so bezahlt wie sich diese das träumen.
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Häschen »

Klar ist was anderes. Ich hab Lichtenberg 'ne ausführliche Antwort geschrieben. Lies dir das nochmal durch, vielleicht verstehst du's dann endlich.


Übrigens haben in Deutschland schon Anfang des Jahres Künstler auf diesen Missstand hingewiesen.
(..)
Weniger als einen Cent pro 1.000 Streams

Obwohl sich immer wieder Künstlerinnen, Künstler und Bands beschwert haben, dass sie weniger als einen Cent für jeden 1.000sten Stream ihrer Songs bekommen – die Musikindustrie ist sich eigentlich einig, dass das die Rettung war aus der großen Krise, als alle nur noch illegal ihre Musik aus dem Netz gezogen haben. Trotzdem entsteht Widerstand. Aber diesmal stehen nicht die Streaminganbieter im Zentrum der Kritik. Laut FAS haben sich nun Anwälte und Manager von Helene Fischer, Sarah Connor, Rammstein, Die Prinzen, Kelly Family sich an die großen Plattenfirmen gerichtet: Sony, Universal, Warner und BMG. Sie fordern mehr Geld pro Stream.

70 % Fürs Label, davon oft nur 20 % für die Künstlerinnen und Künstler

Eine Helene Fischer wird zwar nicht am Hungertuch nagen. Es geht hier aber um etwas Grundsätzliches: Gerechtigkeit. Die Manager meinen nämlich: Die Plattenfirmen kassieren zu viel vom Streaminggeld. Die Streamingdieste schütten nämlich um die 70 Prozent der Einnahmen an die Labels aus. Und was die mit dem Geld machen, wie viel sie den Prinzen und Connors abgeben, hängt von den Verträgen ab. Wie die aussehen: Weiß man natürlich nicht genau. Nur so viel: Es ist zu wenig, finden die Künstlerinnen und Künstler, laut Spiegel oft nicht mal 20 Prozent.
(..)
https://www.deutschlandfunk.de/streamin ... _id=469072
Ich wette, die finden Kanyes Pinkel Protest irgendwie angebracht. :lol:
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Re: Kanye West uriniert auf seinen Grammy

Beitrag von Geheimagent »

Häschen hat geschrieben: 26 Sep 2020 - 15:44 Klar ist was anderes. Ich hab Lichtenberg 'ne ausführliche Antwort geschrieben. Lies dir das nochmal durch, vielleicht verstehst du's dann endlich.
Du hast ihn jedoch offenbar nicht verstanden, wie Du einige andere hier auch nicht verstanden hast.
Häschen hat geschrieben: 26 Sep 2020 - 15:44 Weniger als einen Cent pro 1.000 Streams
Du willst ja Dein Spotify & Co Abo nicht kündigen, und statt dessen CD's kaufen, und unterstützt dass die Fans ihre Künstler ausnutzen, und stellst Dich hier hin und willst die Künstler von ihrem Joch der Plattenfirmen befreien. So ist man als Künstler vorher nie von Plattenfirmen ausgenutzt worden.
Wenn jeder 999€ pro Monat statt 9,99€ bei Spotify & Co zahlen würde, dann würde es für 1000 Streams 1€ geben. Das wäre toll. Aber ist das realistisch?
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