Interview: Oliver Schmitt aka SOUNDS OF REVOLUTION

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Interview: Oliver Schmitt aka SOUNDS OF REVOLUTION

Beitragvon Tim » 08 Feb 2014 - 23:04

Oliver Schmitt aka SOUNDS OF REVOLUTION

Oliver Schmitt, Mastermind hinter der renommierten Sound-Schmiede „SOUNDS OF REVOLUTION“ konnte sich bereits einen hervorragenden Namen als Sound Designer für Synthesizer wie Virus, JP8000, Vanguard oder Nordlead machen. Seine „Revolution“ Soundset / Sample DVD – Serie genießt weltweit hohe Anerkennung und wird u.a. von Größen wie Tiesto, Adam Beyer, Cosmic Gate oder Martin Buttrich eingesetzt.

Logicuser:
Wie bist Du zum Sound Design gekommen?

Olli:
Schon vor vielen Jahren hat es mich interessiert wie die Sounds elektronischer Musik eigentlich zu Stande kommen. Aufgrund der übersichtlichen Oberfläche habe ich mir dann meinen ersten Synthie, den Roland JD800 zugelegt. Schnell war klar dass mich das Thema Synthesizer einfach fesselt. Nach der umwerfenden Resonanz bzgl. meiner JD800 Trilogie bin ich tiefer in die Materie eingestiegen und habe nach und nach mein Studio aufgebaut.

Logicuser:
Wie kam es dazu neben Synthesizer Sounds nun auch Sample DVD´s zu entwickeln ?

Olli:
Mit dem Erfolg der Synthiepatches kam immer öfter die Nachfrage nach Sample CD´s. Da ich selbst schon viele Jahre ein wahrlich „kranker Sample Freak" bin und mir auch schon unzählige Sample CD´s gekauft habe, wurde ich immer wieder mit dem gleichen Problem konfrontiert: Oft konnte man nur einen Bruchteil der CD´s sinnvoll nutzen. Der weitaus größte Teil war entweder praxisfremd, recht unspektakulär oder - und das hat mich oft am meisten genervt - schlichtweg gerippt. Das wollte ich besser machen.

Logicuser:
Was meinst du mit "gerippt" genau ?

Olli:
Manche Hersteller bieten auf Ihren Sample CD´s z.B. Drumloops an, die aus bereits veröffentlichten Tracks quasi 1:1 gerippt wurden. Oftmals werden dabei lediglich noch die unteren Frequenzen gecuttet um wenigstens halbwegs die Bassdrum auszublenden. Das war dann aber auch schon der kreative Teil der"Loop Programmierung". Neben der mehr als fragwürdigen rechtlichen Seite, hat der Käufer dieser „bislang ungehörten“ Loops aber auch nur einen sehr begrenzten Nutzen, da eine derartige Filterung zwangsläufig auch alle anderen Frequenzen im Bass- und Mittenbereich entfernt, die aber meist wesentlich zum Groove beitragen. Derartige Kick Free Loops sind für den professionellen Einsatz nahezu unbrauchbar. Ok, einen Vorteil hat so ein Verfahren aber: der "Macher" hat sehr schnell den Inhalt für eine Sample CD zusammen - eigentlich durchaus wirtschaftlich ;-)

Logicuser:
Wie erklärst Du Dir den Erfolg Deiner Sample DVD´s ?

Olli:
Der Schwerpunkt bei „CLUB Revolution Vol.1“ war neben den mehr als 2000 Einzelsounds die Kick Free Loops. Die Programmierung war sehr zeitaufwendig, da diese wie auch bei den Folge DVD´s "FX Revolution Vol.1" und "KICK FREE Revolution Vol.1" von Grund auf neu programmiert wurden. Dadurch decken die Loops das gesamte Frequenzspektrum ab – die wohl beste Voraussetzung für jeden ernsthaften Produzenten.. In vielen Fällen fehlen auch bewusst prägnante Snaredrums - so sind die Loops universell und in fast jedem Genre elektronischer Musik einsetzbar. Auch Loop Variationen zur Steigerung waren mir wichtig.

Bei den Effektssounds habe ich z.B. darauf geachtet dass diese relativ trocken recorded wurden. Dadurch hat man bei der Produktion einfach mehr Möglichkeiten.

Die EXS/Kontakt Instrumente unterscheiden sich auch von so manchen Mitbewerber. So gibt es bei Club Revolution z.B. bei den Bässen ein Instrument in dem man alle Basssounds auf der Tastatur nebeneinander findet. So kann der User sich einen schnellen Überblick verschaffen. Hinzu kommen aber auch wirklich spielbare Instrumente für jeden einzelnen tonalen Sound (Bässe, Leads etc.). Somit ist weiteres zeitaufwendiges Mapping nicht mehr nötig. Quasi ready to play.

Das sich „Liebe zum Detail“ auszahlt zeigt das Feedback von Kunden & der Fachpresse. In England wurde meine erste Scheibe Club Revolution von Computer Music als "erst zunehmender Anwärter für die beste Hard Dance Sample CD" bezeichnet. Music Tech gab der Scheibe 10/10 Punkten plus dem "Music Tech Excellence Award" um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch setzen viel namhafte Größen meine Produkte gerne ein.

Logicuser:
Wie gehst Du bei der Loop Programmierung vor ?

Olli:
Ich habe unzählige Einzeldrums/Effekte/Klicks etc., die ich ganz klassisch in Logic zu einer Bassdrum über den EXS Sampler einspiele. Dabei sind oft mehr als 20 EXS Einheiten geöffnet, die ich auf Busse route. Dort kommen dann z.B. Tools meiner UAD & Powercore Karten zum Einsatz. Dieses Bus Routing ist wichtig, damit die Einzelsounds, die oft aus den unterschiedlichsten Quellen stammen am Ende wie aus aus einen Guss klingen. Um diesen Effekt zu verstärken, setze ich z.B. auch gezielt Tools ein, die dem Signal eine gewisse Färbung geben wie z.B. der Pultec EQ der UAD oder die EQ´s & Kompressoren der JJP und Studio Classic Collection von Waves ein .Wenn es dann irgendwann ordentlich groovt wird das ganze gebounced - dann natürlich ohne Kick. Übermäßige Kompression setze ich nicht ein, da mir Dynamik wichtig ist. Davon abgesehen gibt es mehr als genug „totkomprimmierte Loops“ auf dem Markt. Das Programming der nahezu 700 Loops der aktuellen DVD KICK FREE Revolution Vol.1 hat da schon einige Zeit in Anspruch genommen. Aber auch hier spricht das Feedback jetzt schon für sich.

Logicuser:
Welche Hardware nutzt Du ?

Olli:
Es kommen Synthies wie Virus TI, JP8080, Nordlead 3 aber auch Klassiker wie JD800 & JD990 oder Vermona DRM1 mkII zum Einsatz. Auch fahre ich externe Klangerzeuger bei der Aufnahme gerne in die Sättigung meines Mackie 8 Bus Pults. Die Anzerrung klingt für mich sehr musikalisch. Ein wohl etwas unübliches Teil zur Loop Programmierung ist "Schaltwerk" - ein Hardwaresequenzer von Döpfer. Das Teil macht einfach Spaß und oft entstehen völlig unvorhersehbare Beats. Externe Quellen nehme ich meist trocken in 24 bit über das RME Multiface auf. Zuvor geht das ein oder andere Signal erst noch durch den Universal Audio LA 610 Preamp, da das Teil bei gewissen Einstellung eine sehr interessante Sättigung / Färbung.erzeugt Für Stimmen & Sounds aller Art wird ein Neumann U87 sowie diverse portable Rekorder eingesetzt. Die eigentliche Bearbeitung findet dann aber im Rechner statt.

Logicuser:
Welche Software nutzt Du (Plug Ins & Synthies) ?

Olli:
Im Laufe der Zeit haben sich einige wenige Tools herauskristallisiert.
Als Effekte nutze ich gerne ´Space´ und ´Phat´ von Camel Audio. Gerade aber Alchemy bietet unglaubliche Möglichkeiten Sounds zu manipulieren. Artillery2 von Sugar Bytes kommt beim Loop Programmierung oft zum Einsatz - Consequence für die Erstellung von Sequenzen, da die Bedienung easy und intuitiv ist. Brauche ich dagegen „kranke und durchgeknallte“ Effekte ist Ohmicide am Start. Dieses Plug In ist für mich das „Killer Distortion Tool“ schlechthin. Ich stehe ohnehin auf Ohmforce Plugs, weil diese einfach nicht wie nach 1000 mal gehört klingen und mich immer wieder überraschen. Als Delay nutze ich Timeless 2 von FabFilter, sowie das PSP 608, da beide sehr vielseitig sind und äußerst komplexe Muster erzeugt werden können. Elephant2 ist mein Hauptlimiter - das Teil macht einfach „gnadenlos zu“. Leichte Anzerrungen/Färbungen erledigt der Vintage Warmer. Für alltägliche Filterarbeiten kommen Gliss EQ und Sony Oxford (Powercore) zum Einsatz. Am meisten setze ich aber die JJP und Studio Classic Collection von Waves ein. Diese Serie beinhaltet unglaublich gute EQ- und Kompressor Emulationen der Hardware Legenden. In diesem Bereich gibt es für mich nichts vergleichbares. Für experimentelle Filterarbeiten nutze ich dagegen sehr gerne Volcano 2 – die „Drag-and-Drop Modulationsmatrix“ ist hier wegweisend.

Bei den Softsynths ist der Sylenth meine „eierlegende Wollmilchsau“- damit läßt sich so ziemlich alles programmieren. Minnimonsta & Oddity klingen wunderbar analog und einfach nur fett. Discovery Pro hat tolle Möglichkeiten bei einfacher Bedienung. Auch finde ich hier die Möglichkeit Nordlead 2 Patches zu importieren klasse. Für roughe Sachen nutze ich Vanguard, für den ich bereits eine Trilogie programmiert habe. Twin2 ist äußerst vielseitig und hat tolle, analog klingende Filter. Beim Loopprogramming kommen oft die Drummachines von D16 Group zum Einsatz, da die Möglichkeiten weit über denen der legendären Originale hinausgehen.Und last but not least ein kleiner Tipp für die, die wenig Programmierkenntnisse haben und dennoch zu interessanten Ergebnissen kommen wollen: Synplant von Sonic Charge. Die mehr als ungewöhnliche Bedienoberfläche ist spielerisch und ganz easy zu bedienen.

Logicuser:
Gibt es Verbesserungspotential ?

Olli:
Sicherlich immer. Ein Kritikpunkt, den ich mir bei CLUB Revolution Vol.1 gefallen lassen mußte war, dass ich neben den EXS und Kontakt Programmen keine Fremdformate wie REX oder Apple Loops mit angeboten habe. Das habe ich seitdem geändert.

Logicuser:
Was zeichnet SOR aus ?

Olli:
Bei meiner Soundprogrammierung werden Plug Ins oft völlig zweckentfremdet. Ein kleines Beispiel: Aus einer knackenden Vinyl entferne ich per Declicker die Störgeräusche nicht um die eigentliche Aufnahme zu verbessern, sondern um aus dem „Schmutz“ die Grundlage für den ein oder anderen Beat zu gewinnen. Oder bei der Programmierung 8-10 Plug Ins auf einmal in Reihe zu schalten um zum gewünschten Ergebnis zu kommen ist auch keine Seltenheit. Es macht einfach Spaß in allen erdenklichen Richtungen zu experimentieren. Das ist bei meinen Produkten sicherlich nicht zu überhören und macht SOR einfach aus.

Logicuser:
Wie ist Dein Studio aufgebaut ?

Olli:
Mein Studio ist eine 40qm Raum in Raum Konstruktion mit getrennter Regie / Aufnahme. Da ich viel Zeit im Studio verbringe, war mir ein gewisser „Wohlfühfaktor“ einfach wichtig. Somit habe ich motorisierte Arbeitstische für relaxtes Arbeiten, Fußbodenheizung und eine Klimaanlage einbauen lassen. Die Nachhallzeit wurde vom Akustiker auf 2ms optimiert, um gerade bei der Beat Programmierung ein sehr trockenen/knackigen Raumklang zu haben. Dies wurde u.a. mit Breitband Kompakt Absorbern erreicht – mein Studio ist voll davon. Als Abhöre nutze ich Adam P11a + Sub – ab und an auch die Event 20/20 Bas.

Logicuser:
Deine nächste Anschaffung ?

Olli:
Neben meinem derzeitigen Hauptsequenzer Logic schaue ich mir gerade Ableton Live genauer an. Dieser Sequenzer ist für mich sehr interessant, da ich stark WAV orientiert arbeite und in Echtzeit experimentieren möchte.Hier sind viele Funktionen schnell und ohne Umwege erreichbar und WAV so leicht wie MIDI zu handeln. Das dürfte meinen Workflow nach vorne bringen. Naja, und ein komplexes Modularsystem habe ich auch schon im Auge. Mal sehn was der Postbote demnächst bringt :-)

Logicuser:
Was können wir als nächstes von SOR erwarten ?

Olli:
Die nächste Sample DVD folgt in wenigen Wochen. Den Titel möchte ich zwar noch nicht nennen - aber u.a. wird mein 2-jähriger Sohn darauf sein "Sample Debut" geben - Ihr dürft gespannt sein :-)

Logicuser:
Wir bedanken uns für das Interview.

Olli:
Sehr gerne - ich habe zu danken.

Kontaktdaten:
SOUNDS OF REVOLUTION - sound design
Oliver Schmitt
Hauptstraße 25
96190 Untermerzbach - Germany
Phone: +49 (0) 9533 / 1298
eMail: info@sounds-of-revolution.com
http://www.sounds-of-revolution.com
http://www.myspace.com/soundsofrevolutioncom
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